B esorgt sitzt eine Mutter mit ihrer achtjährigen Tochter Julie beim Kontrolltermin. Seit einigen Tagen weigert sich das Mädchen, ihre Medikamente einzunehmen. Julie versteht nicht, warum sie diese bitteren Tabletten jeden Tag schlucken muss. Sie fühlt sich doch gesund.
Julie lebt mit HIV.

Vor einigen Jahren bemerkte ihre Mutter, dass etwas nicht stimmte: Ihre beiden jüngsten Kinder waren ständig krank, entwickelten sich langsamer als andere Kinder und wirkten zunehmend geschwächt.
Die Untersuchungen bestätigten schließlich den schlimmen Verdacht: Beide Kinder waren mit HIV infiziert – ebenso ihre Mutter. Als die Diagnose bekannt wurde, verließ der Vater die Familie. Auch er war erkrankt.

 D iese Geschichte ist in Kenia leider keine Ausnahme. Rund vier Prozent der Bevölkerung leben dort mit HIV. Hauptübertragungsweg sind heterosexuelle Kontakte. Trotz vieler Aufklärungskampagnen und staatlicher Behandlungsprogramme ist HIV weiterhin mit großer sozialer Ächtung verbunden. Viele Frauen werden nach einer Diagnose von ihren Männern verlassen.
Damit verlieren sie nicht nur ihre Familie, sondern oft auch ihre wirtschaftliche Absicherung. Staatliche Unterstützung für Alleinerziehende oder Arbeitslose gibt es in Kenia nicht. Für viele beginnt deshalb ein täglicher Kampf ums Überleben. Manche schlagen sich als Tagelöhnerinnen durch, andere geraten aus purer Not in die Prostitution.
Zwar sind die Medikamente kostenlos, doch die Wege zu den Gesundheitszentren sind oft weit und teuer. Was für die Fahrt ausgegeben wird, fehlt anschließend beim Essen.

 D ass Julie ihre Medikamente verweigerte, war gefährlich. Werden HIV-Medikamente unregelmäßig eingenommen, können Resistenzen entstehen – mit schwerwiegenden Folgen für die weitere Behandlung.
Gemeinsam suchten wir nach einer Lösung und entdeckten dabei den eigentlichen Kern des Problems: Julie musste die Medikamente auf nüchternen Magen einnehmen. Für ein Frühstück reichte das Geld oft nicht aus. Die Tabletten verursachten ihr deshalb Schmerzen und Übelkeit.
Daraufhin nahmen wir die Familie in unser medizinisches Patenprogramm auf. Seitdem erhält sie regelmäßige finanzielle und medizinische Unterstützung. Die Kinder bekommen nun jeden Morgen ein kleines Frühstück – und als besonderes Highlight sogar einen Löffel Honig, in dem die bitteren Tabletten kaum noch zu schmecken sind.

Unsere medizinischen Patenbetreuer besuchen die Familie regelmäßig und begleiten sie im Alltag. Das Leben bleibt schwierig. Aber die Unterstützung schenkt der Familie neue Hoffnung und eine Perspektive.

 E in Löffel Honig zum Frühstück mag wie eine kleine, ungewöhnliche Hilfe erscheinen. Doch genau das macht die Arbeit von CHC aus: den einzelnen Menschen zu sehen, auf konkrete Bedürfnisse einzugehen – und mit einfachen Mitteln ein Leben spürbar zu verändern.

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