Vom 2. bis 9. Februar 2026 fand in Kaolack, Senegal erstmals ein kombiniertes gynäkologisches und augenärztliches Medical Camp statt. Initiiert und organisiert wurde das Camp von Dr. Anja Herpe, unterstützt von Dr. Ute Marie Mattner (Gynäkologie) und Dr. Rainer Hürter (Augenheilkunde).
Beide bringen im Rahmen ihrer Tätigkeit bei Cargo Human Care umfangreiche Erfahrungen aus zahlreichen Medical Camps in Kenia mit, die wesentlich zur professionellen Durchführung und Struktur des Einsatzes beigetragen haben.
Ziel des Camps war es, einkommensschwachen Menschen eine qualifizierte und kostenfreie fachärztliche Versorgung zu ermöglichen – ein Angebot, das auf große Resonanz stieß.
Schon in den frühen Morgenstunden warteten Frauen und Familien auf dem Gelände der Gesundheitsstation. Der Bedarf an spezialisierter medizinischer Betreuung ist enorm – insbesondere für Menschen, die sich reguläre fachärztliche Versorgung nicht leisten können.
Innerhalb von sieben Tagen wurden im gynäkologischen Camp 184 Frauen untersucht und ausführlich beraten. Neben der medizinischen Diagnostik stand vor allem das persönliche Gespräch im Mittelpunkt. Viele Frauen nutzten die Gelegenheit, erstmals offen über Beschwerden, Kinderwunsch oder belastende Lebenssituationen zu sprechen. Die Dankbarkeit und das Vertrauen waren deutlich spürbar.
Auch im augenärztlichen Camp konnten innerhalb dieser Woche über 220 Patientinnen und Patienten untersucht werden. Für viele bedeutete die erste eigene Brille eine neue Lebensqualität – besser sehen zu können verändert Alltag, Arbeit und Schulbildung unmittelbar.
Die Zusammenarbeit mit der örtlichen Gesundheitsstation, den Hebammen, freiwilligen Helferinnen und lokalen Verantwortlichen war hervorragend. Fälle mit weiterem Behandlungsbedarf wurden in die bestehenden Strukturen eingebunden, sodass die Hilfe über die Camp-Woche hinauswirkt.
Das Medical Camp hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß der Bedarf an fachärztlicher Versorgung in dieser Region ist – und wie viel durch engagierte Zusammenarbeit erreicht werden kann.
Neben der medizinischen Hilfe waren es vor allem die persönlichen Begegnungen, die diesen Einsatz geprägt haben: zuhören, ernst nehmen, Vertrauen schenken.
Wir danken allen Unterstützerinnen und Unterstützern herzlich, die dieses Projekt möglich gemacht haben – und hoffen, auch in Zukunft wieder in Kaolack helfen zu können
Ablauf:
Die Frauen im Stadtteil waren im Vorfeld durch ehrenamtliche Freiwillige über das Camp informiert worden und fanden sich schon frühmorgens ab 3h auf dem Gelände ein.
Ab 9h bis 18h fanden dann die gynäkologischen Untersuchungen in den Räumlichkeiten der geburtshilflichen Abteilung der Gesundheitsstation statt. Die Räumlichkeit war hervorragend geeignet. Die Kooperation und Unterstützung durch die leitende Hebamme Mme. Djuw war sehr gut. Die Erstellung von Wartelisten und Einteilung für die Untersuchung wurde von ehrenamtlichen Frauen durchgeführt. (Es existiert dort religiös basiert eine sehr engagierte ehrenamtliche Familienhilfe)
Uns half eine junge Hebammenschülerin beim Übersetzen (viele Frauen sprechen die Sprache Wolof, diejenigen mit Schulbildung sprechen auch Französisch)
Die Ausrüstung für die gynäkologischen Untersuchungen war gut. Das Ultraschallgerät, das für die Abklärung der einzelnen Fragestellungen nötig war und intensiv genutzt wurde, war durch Spenden des Vereins Osterode dankenswerterweise voll finanziert worden.
Die Frauen nahmen das Angebot begeistert auf, der Ansturm war enorm. Immerhin war dies eine Gelegenheit insbesondere auch für arme Frauen für eine kostenlose Abklärung ihrer Beschwerden.
Ergebnisse: Wir untersuchten und berieten in 5 Tagen 184 Frauen mit unterschiedlichsten Diagnosen.
Beratungen: zu Themen FGM / Sexualprobleme, Beratung bei Übergewicht (hormonelle Störungen), Dyspareunie, Obstipation (Frauen trinken zu wenig, zu wenig Bewegung, einseitiges Essen), Anämie
Weitere Einzelfälle: 4x Hüftarthrose mit ausstrahlenden Unterbauchschmerzen, Sichelzellanämie 3x, Malaria 2x (Weiterleitung zur Therapie), Inkontinenz 1x, schwere Bauchwandhernie 1x (Versorgung)
Behandlungen: unser Medikamentenreservoir war gut verteilt. Wir behandelten am häufigsten mit Eisenpräparaten, Antibiotika, Schmerzmitteln.
Zusammenfassung: Die Erfahrungen im Camp haben gezeigt, dass die ausführliche Untersuchung und Beratung von den Frauen sehr wertgeschätzt wurden. Die gynäkologische Untersuchung und Diagnose erfolgten durch mich als Gynäkologin mit mittlerer Sprachkompetenz in Französisch, die Beratung wurde durch die Ärztin Anna in fließendem Französisch einfühlsam optimiert.
Die mit dem Gyn- Camp für die Frauen verbundene Aufmerksamkeit bedeutete auch öffentlich eine Anerkennung und Wahrnehmung der gesundheitlichen Probleme der Frauen.
Dies ist im islamischen Kontext ein wichtiges Zeichen.
Die Kinderlosigkeit war in dieser Gruppe ein großes Problem.
Es gab wenige schwere Unterleibsentzündungen (PID), kaum HIV-Infektionen (Inzidenz <1%), es gibt kein Screening.
Bei Diagnosen, die eine weitere Therapie, z.B. operativ erfordern, zeigte sich der Leiter der Gesundheitsstation Papa Thiaw sehr kooperativ. Wir hinterließen die Unterlagen der Fälle, die Versorgung benötigten, für die Vermittlung einer Krankenversicherung (gegen Spende unserer Seite) Für die Älteren, die eine staatlich garantierte, kostenlose Versorgung erhalten, wurde die Weiterbetreuung auch von seiner Seite organisiert. Insofern konnten wir auch eine nachhaltige Wirkung erreichen.
Wir hatten guten Kontakt zum Deutschen Botschafter im Senegal, und lernten den Leiter des örtlichen Krankenhauses kennen, der eine Kooperation anbot.
Folgerungen: Der Kinderreichtum hat einen hohen sozialen Wert. Damit ist die Infertilität bzw. ungewollte Kinderlosigkeit für die betroffenen Frauen ein großes Problem. Die Diagnostik und Therapie sind nur begrenzt möglich. Umso mehr ist die einfühlsame Beratung wichtig und konnte auch alternative Lebensmodelle vermitteln. Eine endokrine bzw. weitergehende Fertilitätstherapie ist finanziell für viele Frauen nicht möglich. Die ungewollte Kinderlosigkeit ist besonders auf dem Hintergrund des Frauenbildes im Islam eine schwere Belastung für die Betroffenen.
Im Hinblick auf eine Optimierung der Schwangerenversorgung In einem nächsten Camp könnte man erwägen, zusätzlich einen Tag für Ultraschall jeder Schwangeren zum Ausschluss von Pathologien anzubieten. Die leitende Hebamme zeigte sich dazu sehr interessiert. Man könnte in diesem Zusammenhang auch Schulungen zur Fetometrie für die Hebammen vorbereiten. Ein Mutterpass könnte eingeführt werden.
Die übrigen Erkrankungen konnten nach Diagnostik in den örtlichen Krankenhäusern versorgt werden. Wenn die vorhandenen Strukturen gezielt genutzt würden, könnten Behandlungen auch für sozial schlecht gestellte Frauen ermöglicht werden. Insofern wäre eine Fortsetzung bzw. Wiederholung des 1-Wochen-Gynäkologie- Camps sinnvoll.
Ich bedanke mich herzlich für die professionelle Organisation des Camps durch Frau Dr. Anja Herpe und allen Sponsoren, die zum Erfolg des Camps beigetragen haben.
Dr. Ute Marie Mattner
Einleitung
Vom 2.2.2026 bis 7.2.2026 fand im Senegal zum ersten Mal ein augenärztliches und gynäkologisches Camp statt. Initiiert von Dr. Anja Herpe und unterstützt von vielen Sponsoren war das Ziel, einkommensschwachen Menschen eine qualifizierte und kostenfreie augenärztliche und gynäkologische Betreuung zu ermöglichen.
Team und Unterkunft
Begleitet wurde ich von einem Team aus Deutschland, das sich vorher mit der Arbeitsweise von Good Vision für die Visusvoruntersuchungen sowie die Brillenverordnungen vertraut gemacht hatte. Sie hatten auch alles für die Brillenherstellung mitgebracht. Da vor Ort keine Spaltlampe zur Verfügung stand, mußte ich meine – für Transportzwecke – umgebaute Spaltlampe aus Kenia mitbringen. Aus- und Wiedereinfuhr waren gegen Zahlung einer geringen Gebühr in Kenia möglich. Wir waren in einem Touristenhotel untergebracht. Die Anreise und Rückreise wurde von Brussels Airlines gesponsert
Untersuchungen und Behandlungsverlauf
Während der fünf Einsatztage konnten wir über 220 Patientinnen und Patienten untersuchen. Bei mehr als 80 % von ihnen wurde eine Fehlsichtigkeit festgestellt, die durch eine passende Brille korrigiert werden konnte. Das Spektrum der Krankheitsbilder reichte von leichter Fehlsichtigkeit über entzündliche Augenerkrankungen, die mit Augentropfen behandelt wurden, bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Katarakten, Glaukomen oder perforierenden Augenverletzungen. Diese Patienten wurden zur weiteren Behandlung an spezialisierte Augenkliniken überwiesen. In einigen Fällen war aufgrund sehr fortgeschrittener Erkrankung keine Hilfe mehr möglich.
Ablauf der Brillenverordnung
Nach einer augenärztlichen Untersuchung durch mich wurden die Patient:innen bei Bedarf an das Visus-Team weitergeleitet. Dort erfolgten eine präzise Brillenbestimmung und Anpassung. Viele Menschen erhielten auf diese Weise zum ersten Mal in ihrem Leben eine Brille, was für sie einen enormen Unterschied im Alltag bedeutet.
Finanzierung und Dank
Die meisten Kosten – von der Anreise über Unterkunft und Verpflegung bis hin zur medizinischen Versorgung und Brillenabgabe – wurden von den Sponsoren getragen. Für diese großzügige Unterstützung möchten wir uns ganz herzlich bedanken. Ohne diese Hilfe wäre die Durchführung eines solchen Camps in dieser Qualität nicht möglich gewesen.
Ausblick
Das Medical Camp hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß der Bedarf an augenärztlicher und gynäkologischer Hilfe in dieser Region ist. Wir hoffen, auch in Zukunft weitere Camps organisieren zu können, um noch mehr Menschen den Zugang zu fachärztlicher Hilfe zu ermöglichen.
Dr. Rainer Hürter
im Namen des gesamten Visus-Teams






























