Bericht: Dr. Thomas Berger
Kamboe ist das erste Dorf, das wir auf unserem Weg entlang des Marsabit-Gebirges in Richtung Marsabit besucht haben. Der Ort liegt etwa 50 Kilometer von Marsabit entfernt und gehört zu den vier Dörfern, in denen im Rahmen der aktuellen Dürrehilfe Lebensmittelspenden von Cargo Human Care (CHC) ausgegeben wurden.
Im Vergleich zu meinem ersten Besuch im Jahr 2012 ist Komboe erheblich gewachsen und hat sich räumlich deutlich ausgedehnt. Sowohl die Bevölkerungszahl als auch insbesondere die Anzahl der Kinder haben in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen.
Der Pastor aus Karare, Patrick, der diese Gemeinde ebenfalls mitbetreut, hatte das Treffen im Vorfeld angekündigt und organisatorisch vorbereitet. Wir wurden vor Ort von den Ältesten der Gemeinde sowie dem Chief des Ortes eempfangen. Auffallend war, dass sich die Frauen im Vergleich zu unseren Erfahrungen an der Wings Academy deutlich im Hintergrund hielten und an den Gesprächen nicht beteiligt waren.
In den Gesprächen schilderten die Gemeindeverantwortlichen eindrücklich die aktuellen Herausforderungen infolge der anhaltenden Dürre. Im Vergleich zu 2012 ist die Wasserversorgung des Ortes durch die Reparatur und Instandsetzung der Wasserleitung wieder verlässlich gewährleistet. Die Bewohner haben nun die Möglichkeit, Wasser direkt im Ort zu erwerben. Der Preis beträgt fünf Kenia-Schilling für 40 Liter und ist damit grundsätzlich erschwinglich. Diese funktionierende Wasserversorgung stellt einen wichtigen stabilisierenden Faktor für die Gemeinde dar.
Trotz dieser positiven Entwicklung wirkt sich die anhaltende Dürre weiterhin massiv auf die Lebensgrundlagen der Bevölkerung aus. Besonders betroffen ist der Viehbestand, insbesondere Ziegen. Zahlreiche Tiere sind bereits verendet, und infolge des erhöhten Angebots ist der Marktpreis für Ziegen erheblich gefallen. Zusätzlich ist es durch die schlechte Futter- und Wassersituation zu einem starken Rückgang der Milchproduktion gekommen. Damit entfällt für viele Familien nicht nur eine wichtige Nahrungsquelle, sondern auch eine zentrale Grundlage der täglichen Ernährung, insbesondere für Kinder. Wie in pastoral geprägten Gemeinschaften häufig zu beobachten, fällt es den Viehhirten zudem schwer, ihre Tiere rechtzeitig zu verkaufen, um zumindest einen Teil ihres Einkommens zu sichern. Der Verlust der Tiere führt somit unmittelbar zum Wegfall der wichtigsten Einkommensquelle vieler Familien.
Im Rahmen unser Nothilfe wurden Lebensmittelspenden an insgesamt 300 Familien ausgegeben. 100 Familien wurden direkt durch den Chief identifiziert und ausgewählt, während die Versorgung der weiteren 200 Familien durch die anglikanische Kirche organisiert wurde. Zusätzlich stellte auch das County eine Nahrungsmittelspende zur Verfügung. Diese bestand aus drei Kilogramm Reis und zwei Kilogramm Bohnen pro Familie, ohne Beigabe von Öl. Für Haushalte mit sieben bis zehn Personen reicht diese Ration lediglich für drei bis fünf Mahlzeiten und stellt somit lediglich eine kurzfristige Überbrückung der akuten Notlage dar.
Während unseres Besuchs habe ich bei mehreren Kindern stichprobenartig Oberarmmessungen mit dem MUAC-Banddurchgeführt. Alle erhobenen Werte lagen im grünen Bereich, sodass zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Hinweise auf eine akute Unterernährung bestanden. Sollte eine weitergehende Unterstützung erfolgen, ist es jedoch notwendig, den Ernährungszustand der Kinder systematischer und regelmäßig zu erfassen, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gezielt reagieren zu können.
In den Gesprächen brachten die Ältesten der Gemeinde ausdrücklich ihre Dankbarkeit darüber zum Ausdruck, dass Cargo Human Care die Lebensmittelspenden ermöglicht und damit die akute Not zumindest vorübergehend gelindert hat. Gleichzeitig wurde mehrfach betont, wie bedeutsam das Engagement von CHC an der Wings Academy sowie an der Elazar Secondary Girls’ School für die Zukunft der Kinder eingeschätzt wird.
Zugleich wurde deutlich, dass es vielen Familien aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, mehr als ein Kind zur Schule zu schicken. In diesem Zusammenhang wurde der Wunsch nach weitergehender Unterstützung, perspektivisch sogar nach dem Bau einer eigenen Schule in Kamboe, mehrfach geäußert, obwohl es eine staatliche Grundschule gibt.
Wir sind gespannt auf die Besuche der weiteren Dörfer, die im Hinblick auf die Wasserversorgung weniger begünstigt sind. Hier wird sich möglicherweise auch ein anderes Bild der Versorgungslage zeigen.













