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Ein bisschen wie Flöhe hüten …

Warum hinter jedem Foto für einen Patenschaftsbrief viel mehr steckt, als man denkt.

Ich selber schreibe keine Patenbriefe – ich fotografiere nur.
Und ich würde gerne einmal berichten, wie diese Fotos für die Patenschaftsbriefe eigentlich entstehen.

Denn wie kann man von, sagen wir mal, 80 Kindern im Mothers’ Mercy Home oder über 50 Schülerinnen an der Elazar Girls High School in Marsabit Fotos machen und hinterher noch wissen, wer wer ist, sodass der Sponsor oder die Patin beziehungsweise der Pate auch wirklich das richtige Bild “seines” oder “ihres” Patenkindes bekommt?

Spannend. 

Ich habe inzwischen schon zweimal im Mothers’ Mercy Home fotografieren dürfen – für die Kinder und Jugendlichen ja auch nicht immer das Spannendste. Manche mögen es gar nicht. Andere lieben die Kamera und die Aufmerksamkeit. Aber am Ende möchte man natürlich alle vor die Linse bekommen.

Mit Hilfe der Sozialarbeiterinnen haben wir für alle Namenszettel geschrieben. Sie wussten sogar genau, wer gerade im MMH war und wer nicht, weil er oder sie das Wochenende in der Boarding School verbrachte oder aus anderen Gründen abwesend war.

Und dann muss man sie nur noch suchen, finden und fotografieren … denkt man so.

So könnte das aussehen: Bild mit Namensschild, danach eines ohne ... fertig.
So könnte das aussehen: Bild mit Namensschild, danach eines ohne … fertig.

Es wird immer wieder durchs Bild gelaufen, man lenkt sich gegenseitig ab, von allen Seiten kommen Vorschläge für besondere Posen. Das muss natürlich alles festgehalten werden. Am Ende braucht man eigentlich nur zwei Fotos: eines mit und eines ohne Namensschild. Aber die Bilder sollen natürlich gut sein – und das ist den Kindern und Jugendlichen durchaus wichtig.

Einige zogen sich extra noch einmal um, einer holte sogar seine Gitarre, gute Schuhe waren ebenfalls ganz wichtig. Und all das wurde immer wieder dadurch unterbrochen, dass die nächsten Kandidatinnen und Kandidaten gesucht werden mussten. Es war ein bisschen wie Flöhe hüten – und dabei unglaublich lustig.

Mein erster Termin im letzten Jahr dauerte gut fünf Stunden. Dieses Mal ging es schon deutlich schneller – allerdings waren auch weniger Kinder anwesend.
Ich hatte mich übrigens selbst ebenfalls mit einem Namensschild ausgestattet. Ich wollte nicht, dass die Kinder sich als Einzige so präsentieren mussten.
Als kleines Dankeschön hatten wir auf dem Markt frische Bananen gekauft – schließlich war es ihre Freizeit, die wir an diesem Sonntag Nachmittag beanspruchten.

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In Karare Anfang Juli war alles ganz anders.

Meine mitgegreisten Patenbetreuer Uwe und Christopher, dazu noch Michael von der Schulbehörde.
Meine mitgegreisten Patenbetreuer Uwe und Christopher, dazu noch Michael von der Schulbehörde.

Uns hatte niemand gesagt, dass die Jugendlichen an dem Tag, der für die Fotos vorgesehen war, noch gar nicht wieder in der Schule waren. Es war ein sogenannter “Reporting Day” – also der Tag, an dem sie irgendwann im Laufe des Tages nach den Ferien wieder in die Schule zurückkehren mussten.

Wer war also morgens überhaupt schon da? Wer würde während unserer Zeit dort noch erscheinen?

Namenszettel gab es ebenfalls keine – zumindest keine, auf die man Namen hätte schreiben können. Unsere beiden mitgereisten Patenbetreuer hatten zwar Listen, aber wer war nun eigentlich wer? Die Aussprache der Namen, so wie wir sie lesen würden, unterscheidet sich teilweise erheblich von der Art und Weise, wie die Jugendlichen ihre Namen selbst aussprechen.
Dafür muss ich sagen, haben wir es in zwei Sessions – einmal vormittags und einmal am späten Nachmittag, als fast alle da waren – ganz gut hinbekommen.

Ich habe kleine Videos gedreht und die Jugendlichen ihre Namen sagen lassen. Schon das war sehr zeitaufwändig. Ausserdem waren die jungen Menschen es nicht so gewohnt ihre Namen laut und deutlich vor Fremden zu sprechen, und das manchmal eben wiederholt werden musste. (Und wie schon geschrieben: die Schreibweise, und wie sie es aussprechen unterscheidet sich erheblich von dem, was wir lesen und erwarten.)
Ich habe versucht ihnen die Scheu zu nehmen, habe mich selber immer wieder vorgestellt und sie zum lachen gebracht – und wir haben dann  viel gelacht.
Nebenbei habe ich fotografiert, sodass ich die Namen später mehr oder weniger gut zuordnen konnte.

Am Ende gab es tatsächlich nur zwei Jugendliche, deren Namen ich absolut nicht verstanden habe. Einmal sogar selbst verschuldet, weil ich versehentlich in Zeitlupe gefilmt hatte … da versteht man wirklich gar nichts!

Zu Hause konnte ich dann mithilfe der Listen der Patenbetreuer alle anderen verständlichen Namen den Jugendlichen zuordnen.

Nach Marsabit werde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall Papier oder Namenszettel mitnehmen. Denn so eine Fotoaktion würde ich tatsächlich sehr gerne wieder machen.

Bericht/Fotos/Video:
Karin Thormählen

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