Von Briefen zu echtem Kennenlernen
Der neue Patenbetreuer Uwe Schnier besucht erstmals die Patenkinder in Marsabit.
Ende 2025 wurde ich von Fokko Doyen angesprochen, ob ich die Patenbetreuung für 32 junge Menschen der „Elazar Girls High School“ und der „St. Andrews High School“ übernehmen möchte. Diese begannen im Januar 2026 ihre dreijährige Schulzeit der Oberstufe. Bei der Patenbetreuung geht es u.a. um zwei Briefe pro Jahr, mit denen die jeweiligen Paten über den schulischen und persönlichen Werdegang ihrer Patenkinder informiert werden.
Nachdem ich mich im ersten Brief im Dezember 2025 vorgestellt habe und einige Basisinformationen zu den Kindern gegeben habe, war es mir sehr wichtig, mir vor dem zweiten Patenbrief ein persönliches Bild der Lage in Marsabit und Karare zu machen.
Ende JUN26 war es dann soweit, eine spannende Reise nahm seinen Lauf. Los ging es in Frankfurt am Samstag, 27.6. bei knapp 40 Grad zum Abkühlen nach Nairobi, wo wir bei angenehmen 20 Grad gelandet sind. Am nächsten Tag stand die knapp 550km lange Fahrt in den Norden Kenias an. Die Straße ist inzwischen von Chinesen sehr gut ausgebaut, so dass wir in knapp neun Stunden in Marsabit angekommen sind. Wenn die zahlreichen Bumpers weggelassen worden wären, hätte man von einer angenehmen Reise sprechen können.
Auf der Strecke begegneten uns zahlreiche Viehherden (Esel, Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen), aber auch einige Affen. Unsere mitgenommenen Wasserflaschen wurden von den teils sehr jungen Viehhirten und -hirtinnen dankbar angenommen. Vor allem die Frauen waren häufig in traditioneller Tracht gekleidet und wirkten aus einer anderen Zeit.
Die Landschaft veränderte sich auf der Strecke mehrmals – in Nairobi war alles sehr grün, unterwegs folgten dann lange Steppenabschnitte mit sehr wenig Vegetation, vor Marsabit wurde es dann erstaunlich grün, weil es im März und April ordentlich geregnet hatte. Das Vieh sah auch gut genährt aus und nicht so abgemagert wie so häufig in dieser Gegend.
Am Montagmorgen ging es aus der wuseligen Kleinstadt Marsabit (mit den umliegenden Dörfern ca. 30.000 Einwohner) ins 25km südlich gelegene Karare, wo Cargo Human Care die Wings Academy (Grundschule) und die Elazar Girls High School betreibt. Hier habe ich die 32 Patenkinder kennengelernt und konnte mit Ihnen kurze Gespräche führen, um die erhaltenen Informationen für meine Patenbriefe zu nutzen.
Bei den Interviews fiel auf, dass sie schüchtern und zurückhaltend – aber auch neugierig sind – zum Glück war unser lokaler Ansprechpartner Michael anwesend, um Klarheit zu schaffen, da die Englischkenntnisse zum Teil unter meinen Erwartungen lagen.
Die Zurückhaltung uns gegenüber ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass CHC Besuche aus Deutschland in Marsabit aufgrund der langwierigen Anreise nicht ansatzweise so häufig anfallen wie in unseren Einrichtungen in Nairobi.
Neben den kurzen Interviews haben wir zahlreiche Gruppen- und Einzelfotos der Jugendlichen machen können. Dabei haben vor allem die Mädchen viel gekichert und unterschieden sich überhaupt nicht von gleichaltrigen Mädchen in Deutschland.
Nachdem uns unser toller Fahrer Benjamin wieder sicher nach Nairobi gefahren hat, habe ich die Zeit genutzt, um unsere dortigen Einrichtungen „Mother´s Mercy Home“, dem anliegenden „Medical Center“ sowie die „John Kaheni Residence“ wieder zu besuchen. Besonders bewegend war der Besuch der von CHC unterstützen Einrichtung „Garden of Siloam“, die einzige Einrichtung des Landes für schwerstbehinderte Kinder / Jugendliche aufgrund Drogen- bzw. Alkoholmissbrauchs.
Nach einer spannenden, aber auch anstrengenden Reise mit vielen neuen Eindrücken bin ich am Freitagmorgen, 3.7.26 wieder gut in Frankfurt gelandet. Es war sehr schön zu sehen, welch tolle Einrichtung Cargo Human Care mit den Spendengeldern hoch im Norden Kenias betreibt, um den Jugendliche durch eine fundierte Schulbildung die Basis für ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Uwe Schnier
Erzhausen, Juli 2026





















